Der Deutsche Radiopreis 2011 – Die Gewinner
Gestern Abend, am 8. September 2011, wurde im Hamburger “Schuppen 52″ zum zweiten Mal der Deutsche Radiopreis verliehen. Auf einer gemeinsamen Gala von öffentlich-rechtlichen und privaten Radios moderiert von Barbara Schöneberger wurden die Preise in zehn Kategorien vergeben. Die elfköpfige Jury wurde durch das Adolf-Grimme-Institut berufen. Zwei Sonderpreise vergab der Beirat des Deutschen Radiopreises.
Die Gewinner in den zwölf Kategorien:
Beste Sendung: “Jenni Zylka zu Gast bei Peter Wawerzinek” (WDR3)
Nichts ist vorhersehbar bei “Homestory”. Diese Sendung ist ein ungewöhnlich direktes und dynamisches Literaturformat mit vielen Facetten. Sie bietet eine gelungene Mischung aus Gespräch, Lesung, Club und Autorenporträt. Leichtfüßig und frech, kenntnisreich und mitreißend stellt Multitalent Jenni Zylka Literaten aus deren eigener Sofaperspektive vor. Enthusiasmus, Einfallsreichtum und Kenntnis halten sich dabei perfekt die Waage.
Bestes Interview: Christina Weiss und Michael Merx (Radio 7)
Christina Weiss hat mit dem transsexuellen Leistungssportler Balian Buschbaum ein vorbehaltlos offenes und hoch professionelles Interview geführt, ganz ohne billige Effekte. Statt nach Sensationen zu gieren ist sie hellwach, entwaffnend direkt und glitzernd charmant. Einfühlungsvermögen, Menschenfreundlichkeit und guter Umgang: Das ist beispielgebend und hoffentlich stilbildend.
Bestes Nachrichtenformat: “B5 aktuell” (Bayerischer Rundfunk)
Als unverzichtbarer Programmbestandteil des BR verbindet sich bei “B5 aktuell” hohe Professionalität mit aktuellen, solide gebauten und perfekt präsentierten Nachrichtenformen.
Beste Comedy: “Frühstück bei Stefanie” (NDR 2)
Seit die geschäftstüchtige Gastronomin Stefanie am 1. September 2008 im Frühprogramm von NDR 2 ihr Stehtischbistro eröffnet hat, treffen sich dort montags bis freitags pünktlich um 7.17 Uhr der besserwisserische Frühpensionär Herr Ahlers, weiter Udo, ein Mann genialischer Geschäftsideen und ein Profischnorrer, sowie der pyromanisch veranlagte Senior-Casanova Opa Gehrke. Sie kreisen um die Frage: “Was gibt’s Neues?”
Bester Moderator: Volker Haidt (radio SAW)
Volker Haidt hat eine ganz unverwechselbare Note, zu der auch die außergewöhnlich große Bandbreite gehört. Er überzeugt mit Kompetenz, Glaubwürdigkeit und Spontaneität und überrascht jeden Morgen mit etwas Neuem. Er ist Entertainer, lacht mit seinen Hörern, informiert sie und diskutiert mit Ihnen. So wird er zum guten Bekannten und zum sympathischen Freund, dessen innere Flamme das Interesse der Hörer entzündet und begeistert.
Beste Moderatorin: Sabine Heinrich (1Live)
Sie ist die Stimme mitten aus dem Leben, alltagsnah und geradeaus, mit natürlichem Charme und munter: Sabine Heinrich (1LIVE) lässt mit ihrer Stimme den Hörer nicht allein.
Beste Höreraktion: “planet project start up” (planet radio, Hessen)
Eine Höreraktion als Casting-Show für kreative Köpfe mit einem originellen Gewinn, nämlich einer eigenen Ladenfläche auf Zeit an der Frankfurter Zeil, als Basis für denen eigenen Berufseinstieg: Das hatte unüberhörbar Sinn und Hintersinn. Mehr positive Aktion und produktive Hörerbindung, die über den Tag hinaus im Kopf bleibt, ist kaum vorstellbar.
Beste Innovation: “90elf – Dein Fußball-Radio” (90elf)
“90elf – Dein Fußball-Radio” ist es positives Beispiel für die Chancen des Hörfunks im digitalen Zeitalter. Dafür erhalten Florian Fritsche und Christoph Kruse den Innovations-Preis.
Beste Morgensendung: “SWR3 Die Morningshow” (Südwestrundfunk)
Wenn es die SWR3-Morningshow mit Michael Wirbitzky und Sascha Zeus nicht mehr gäbe, dann wäre es, als ob am Morgen die Sonne nicht mehr aufgehen würde. So sehen, so hören es Millionen Hörerinnen und Hörer im SWR3-Land. Es wäre dann ein großer Teil Deutschlands verdunkelt. Denn weit über Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz hinaus gehören die Rituale dieser Sendung zwischen 5 Uhr und 9 Uhr an Werktagen zum Überlebenskit.
Beste Reportage: Kathrin Erdmann (NDR Info)
Kathrin Erdmann schafft in ihrer Reportage auf kleinstem Raum, nämlich in nur rund drei Minuten, eine besonders dichte Atmosphäre. Sie liefert dabei aber nicht nur starke Eindrücke, sondern auch gehaltvolle Informationen über ein brisantes Thema: Sie schildert den schwierigen Alltag eines Flüchtlingskindes in einem Hamburger Problem-Stadtteil. Mit dem 13-jährigen Kosovaren Enis hat sie dazu den perfekten Protagonisten gefunden, den sie 24 Stunden begleitet hat.
Sonderpreis des Beirats: Herbert Grönemeyer
Seine Lieder sind alles: Mittanzen, Mitsingen, Mitfühlen, auch Mitleiden – und laufen rund 100 Mal am Tag im deutschen Radio. Dafür erhält der Sänger den Sonderpreis des Beirats.
Sonderpreis des Beirats: Manfred “Manni” Breuckmann
Sein Timbre ist unverwechselbar, die Reportagen unseres Preisträgers in der ARD-Schlusskonferenz waren Kult. 36 Jahre lang hat er Fußballspiele übertragen, darunter weit über tausend Bundesliga-Begegnungen. Und mehr als dies: Breuckmann war Landespolitischer Korrespondent in NRW, begleitete Johannes Rau nach Israel und moderierte bei WDR 2.
Private und öffentlich-rechtliche Sender aus ganz Deutschland haben sich mit insgesamt 265 Einreichungen um die Preise beworben. Die Hörfunkprogramme der ARD, Deutschlandradio und die Privatradios in Deutschland stiften die bundesweit ausgerichtete Auszeichnung. Kooperationspartner sind die Freie und Hansestadt Hamburg, die Radiozentrale und das Grimme-Institut.
